Was ein Workshop ohne WarmUp mit Kneipenkickern gemeinsam hat.

Man trifft sich, irgendjemand erzählt etwas von „dringend neue Wege… Ideen… Brainstorming…“ und dann sollen Ideen gesammelt werden. So oder so ähnlich beginnen viele Workshops und Kreativmeetings. An diesem Meeting nehmen lauter verschiedene Menschen teil. Alle kommen mit einem unterschiedlichen Mindset und Vorwissen ins Meeting. Einer hat erst vor zwei Minuten das Statusmeeting des längst überfälligen Webprojekts verlassen und die Designerin hat gerade noch eine Diskussion über Sinn und Unsinn eines Corporate-Designs geführt.

Und jetzt soll man schnell gemeinsam Ideen für eine Sommer-Kampagne sammeln.

Genau so läuft es ab wenn sich Kneipenkicker zum Spieltag treffen.

Direkt aus dem Auto auf den Platz. Während der Spielmacher noch überlegt, ob er heute nicht lieber die neuen pinken Nike-Schuhe hätte anziehen sollen, der Torhüter sich die Schuhe bindet und der Rechtsaußen am Spielfeldrand noch die letzte Kippe ausdrückt, schiebt der Gegner den Ball ins Tor.

Profis wissen: Will ein Athlet gute Leistung bringen, braucht er regelmäßiges Training und eine ordentliche Wettkampfvorbereitung. In der Aufwärmphase wird nicht nur der Körper für den Wettkampf fit gemacht. Es ist auch Zeit, um offene Fragen vor dem Wettkampf zu klären und sich mental auf den Anpfiff vorzubereiten.

Genauso sollten wir mit unserer Kreativität umgehen. Ihr wollt gute Ergebnisse? Dann schaut auf Real Madrid statt auf den „FC HackeDicht 123“. Trainiert und wärmt euch auf! Das gilt sowohl für die Arbeit im Team als auch für die eigenen kreativen Phasen. Ehrlich, du sparst gar nichts wenn du „kalt“ in einen Workshop startest. Ganz im Gegenteil, das zähe Ringen um erste Ideen kann richtig frustrierend werden, wenn die Teilnehmer noch ihren Gedanken nachhängen oder die Gruppe noch nicht aufeinander, auf das neue Thema und die neue Aufgabe, Ideen zu entwickeln, eingestellt ist.

Vorbereitung und Einstieg zum Workshop – so geht’s besser

1. Zeit für den Themeneinstieg [Spielbesprechung]

Ein Themeneinstieg ist immer notwendig. Wieviel Zeit du dafür einplanst, hängt vom Check der folgenden Fragen ab: „Wie bekannt ist das Thema bereits bei den Teilnehmern?“, „Wie komplex ist das Thema?“, „Kennt jeder seine Rolle im heutigen Meeting?“

Der Themeneinstieg ist wie eine Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel. Man geht nochmal die Aufstellung durch, bespricht die Taktik für das heutige Spiel und wirft einen Blick auf den Gegner. Dieser Teil sorgt für Orientierung im Spiel und dafür, dass jedem Spieler seine Aufgaben klar sind.

Wertvolle Informationen, die, wenn nicht geklärt, erst mühsam auf dem Platz ausgetestet und diskutiert werden müssen – Der Horror für jeden Trainer und jeden Moderator eines Workshops. Wenn einfach kein Flow aufkommt, weil man ständig unterbrechen muss, um den Rahmen abzustecken oder das Ziel zu diskutieren. So verlierst du übrigens auch automatisch an Autorität und Respekt, weil du als Moderator offensichtlich sinnlos bist, wenn Ziel und Ablauf vom Team munter diskutiert und bestimmt werden. Die lauten und selbstbewussten Teilnehmer werden so immer die Oberhand gewinnen. Ein gut vorbereiteter Themeneinstieg muss nicht lange dauern, lohnt sich für deinen nächsten Workshop aber in mehrfacher Hinsicht.

2. WarmUp für die geplanten Kreativaufgaben [Aufwärmphase]

Die WarmUp-Phase kennt jeder im Sport. Vor dem Wettkampf werden ein paar Übungen durchgeführt, um den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Je nach Sportart können diese ganz unterschiedlich ausfallen. So ähnlich kann das auch im Workshop ablaufen. Wenn du mit dem Kopf noch ganz woanders bist, oder vielleicht gerade im „Kritiker“-Mindset unterwegs bist, dann wird es dir verdammt schwer fallen, dich auf einen Kreativ-Workshop einzulassen.

Doch wie sieht ein ideales „Warm up“ aus? Von Textern in der Werbebranche höre ich oft, dass sie sich vor ihrer Aufgabe von Vorbildern inspirieren lassen. Sie lesen Texte von Firmen, die ihnen besonders gut gefallen oder diskutieren über Ideen, die sie bewundern. Aber gerade für Teams sind Spiele ein ganz heißer Tipp! Kreative Spiele haben eine Reihe positiver Auswirkungen auf die Kreativität:

  • Der spaßige Rahmen löst Hürden. Jeder kann sich beteiligen, ganz unabhängig von Status, Rolle, Erfahrung oder Fachwissen.
  • Spaß, Freude und Lachen löst Endorphine und Adrenalin im Körper aus.
  • Spiele bringen die Gruppendynamik in Schwung. Wer gemeinsam lacht, arbeitet auch besser zusammen.
  • Wählst du die richtigen Spiele, werden wichtige Eigenschaften für kreative Arbeit aktiviert: Abstraktionsfähigkeit, Kombinationsgeschick, Fantasie, uvm.
  • Bei Spielen ist es ganz klar: „Jeder hält sich an die Regeln, geschummelt wird nicht.“ Regeln sind auch für Kreativmeetings wichtig. Hier kannst du spielerisch gleich die Akzeptanz dafür schaffen.
  • Die Spiele wirken als Separator zwischen der gerade noch geleisteten Arbeit und dem Kreativmeeting. Sie entführen uns kurzfristig in eine andere (Gedanken)Welt ehe wir wieder für die Aufgaben des Kreativmeetings zum Business zurückkehren.

(Wir haben bereits ein paar Spiele getestet. Hier erfährst du mehr über: Storycubes, Knetivity, Haste Worte, Nobody is perfect )

3. Kreativworkshop: Ideenfindung, Ideenentwicklung [Wettkampf]

Anpfiff: Führe deinen geplanten Workshop durch. 🙂

4. Workshop abschließen „Wie geht’s weiter?“ [Abschied]

Vielleicht hast du schonmal beobachtet, wie Mannschaften nach einem Wettkampf nochmal zusammenkommen. Manchmal findet dieser Abschluss auch in der Kabine statt. Die Spieler schließen so gemeinsam den Wettkampf ab, verlassen gemeinsam das Feld. Wie sagt man so schön: „Man gewinnt gemeinsam und man verliert gemeinsam!“

Dieser Gedanke wirkt in Bezug auf einen Workshop erstmal etwas befremdlich. Aber auch hier gibt es schon einmal unterschiedliche Meinungen oder scheinbar gegensätzliche Ideen und Vorschläge.
Vielleicht stehen noch Fragen im Raum die für andere Teilnehmer bereits geklärt oder unwichtig erscheinen. Wenn du möchtest, dass dein Team weiterhin gemeinsam erfolgreich miteinander arbeitet – überleg dir wie dein Abschluß gestaltet werden soll.

  • Offene Fragen & Anmerkungen parken. Manchmal bleiben Fragen ungeklärt oder einzelnen Teilnehmern ist es wichtig, dass bestimmte Aspekte angemerkt werden. Halte diese Anmerkungen und Fragen im Protokoll fest. So kann jeder sicher sein, dass diese sichtbar festgehalten sind und nicht ignoriert werden. So fällt es leichter auch gedanklich das Meeting zu beenden, ohne dass der Kopf danach noch arbeitet.
  • ToDos festhalten/vergeben. Wenn aus dem Meeting ToDos entstehen (Prototyp bauen? Recherche durchführen?… ), dann legt fest, wer diese bis wann bearbeitet.
  • Den Blick auf das Ziel richten. Schaut euch nochmal das Ausgangsziel an. Was hat der Workshop dazu beigetragen? Hat sich etwas verändert?
  • Ausblick geben. Wie geht es weiter? Was passiert mit den Ergebnissen? Welche Rolle spielt diese Gruppe und ihre Teilnehmer für die weitern Schritte zum Ziel? Wird etwas erwartet? Dieser Schritt gibt Sicherheit und Wertschätzung. Nichts ist schlimmer als diese Meetings, in denen mal jeder seine Meinung sagen durfte und danach hat nie wieder jemand etwas davon gehört – Aus welchen Gründen auch immer, dieses Gefühl ist demotivierend.

 

„Wir haben doch keine Zeit“ & „Sind wir jetzt im Kindergarten“

Meine Erfahrung ist die, dass es für gewöhnlich nur eine Phase gibt und das ist die Technik an sich. Also Brainstorming, Mindmapping etc. Auf Vorbereitung, WarmUp und Abschluss wird oft verzichtet. Keine Zeit, viele Termine, eine Menge Aufgaben auf dem Schreibtisch und die ein oder andere Deadline im Kopf. Da ist es einleuchtend, dass man möglichst schnell zum Punkt kommen will. Ich kann doch auch ohne Vorbereitung kreativ sein!

Es ist wie immer der leidige Streit zwischen Engelchen und Teufelchen: Ordentlich mit Vorbereitung oder schnell und einfach – der Weg des geringsten Widerstands? Vielleicht ist ja das Zweitbeste auch gut genug? Vielleicht hilft der Blick auf den Sport ja weiter, um die Frage zu beantworten. Wer Disziplin, Ehrgeiz, Talent und Ausdauer vereint, schafft den Sprung in die Bundesliga.

Wenn du versuchst neue Wege einzuschlagen, wird es immer jemanden geben, der die Veränderung scheut und mit Killerphrasen um sich wirft. Lass dich davon nicht abschrecken.

Ein pragmatischer Einstieg ins Aufwärmtraining bei Kreativ-Workshops:

  • Probiere es erst einmal in einer Gruppe aus, mit der du dich wohl fühlst.
  • Nutze einfach mal die ersten 10 Minuten für ein WarmUp. Das WarmUp kann eine gemeinsame Inspirationsrunde, ein Spiel oder eine ungewohnte Methode wie die Kopfstandmethode sein. Oder ihr geht mit einem lustigen Blickwinkel ran. „Wie würde ein Alien das Problem lösen?“
  • Probier es mal mit einem (optionalen) Termin vor dem eigentlichen Workshop. Treffen in der Kaffeküche. Das kann schon ein guter Seperator sein. Die Menschen sind dort meist lockerer als am Besprechungstisch. Und spielen kann man dort auch 😉
  • Gestalte einen einfachen Abschluss und klärt die einfache Frage „Wer macht was mit wem bis wann?“

Im Sport kann ein Aufwärmprogramm übrigens auch vom Team mitgestaltet werden. Es stärkt den Teamgeist und ist ein Signal, gemeinsam in den Wettkampf zu starten. Also – Macht ein Ritual daraus!

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