Artikel von und über unseren guten Freund „John“

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Multitasking verhindert Kreativität

Multitasking hat es zu großer Berühmtheit gebracht in den letzten Jahren. Jeder will immer schneller und effizienter werden – immer mehr in der gleichen Zeit erledigen. Aber das Streben nach möglichst viel Multitasking ist ein großer Irrtum, der es zu unfassbarem Ruhm gebracht hat. Mit Multitasking brauchst du länger und erledigst Aufgaben schlampiger! Und das gilt ganz besonders für kreative Köpfe und Wissensarbeiter. Warum das so ist, möchte ich dir gerne in diesem Artikel erklären.

Mythos Multitasking

Im letzten Jahr war ich in Philadelphia im Franklin-Institute „Museum of Science“. Dort gab es eine tolle Ausstellung rund um das menschliche Gehirn. Wenn du mal dort bist – unbedingt anschauen!  Die Ausstellungen dort sind mit viel Liebe fürs Detail plastisch aufgebaut. Kinder haben ihre wahre Freude daran. Die Infos waren super aufbereitet von Lernvorgängen über Spiegelneuronen bis zum Multitasking.

Demnach ist unser Gehirn eher so der Fokus-Typ. Spotlight an – alles außen herum wird ausgeblendet –  und dann ran ans Werk. In diesem Modus können wir uns richtig austoben. Sobald zwei Aufgaben „gleichzeitig“ erledigt werden, wird zwischen diesen einfach hin und her gewechselt. Gleichzeitig etwas zu tun oder an etwas zu denken geht gar nicht. Der Fokus geht verloren. Was das zur Folge hat, kann jeder logisch nachvollziehen: weniger Details, grobe unkonzentrierte Bearbeitung, standardisiertes Abarbeiten statt kreative Neuschöpfungen!

Wenn wir mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen, verwirren wir den Teil im Gehirn, der für die strukturierte Planung und Durchführung von Aufgaben zuständig ist. Wer glaubt Multitasking zu trainieren, der schadet in Wirklichkeit seiner Fähigkeit, konzentriert und fokussiert zu arbeiten.

einfachste sensorische Tätigkeiten

Der Volksmund sagt ja, Frauen wären besonders talentiert im Multitasking. Was vielleicht nett gemeint ist, ist eigentlich versteckter Sexismus.

Vorweg: Mir ist kein wissenschaftlicher Nachweis bekannt, dass die Gehirne von Frauen oder Männern im Multitasking-Aspekt irgendwie ausgeprägte Unterschiede aufweisen würden.

Die Behauptung stammt wohl aus der Zeit, in der Frauen „an den Herd gehörten“ und gleichzeitig gekocht und gebügelt haben, also trainierte Abläufe abspulen sollten. Es ist schön, dass sie dafür bewundert wurden, doch hätte der Mann einfach mal etwas mehr bügeln und kochen trainiert, wäre er dazu durchaus auch in der Lage. Und ist das nicht so ein bisschen wie im Job? Wenn wir eine Aufgabe nicht so gerne machen, dann loben wir einen Anderen dafür, wie gut dieser das alles kann. So viel schneller und besser als man selbst.  😉

Es ist nämlich so, dass wir Tätigkeiten, die trainiert oder gar automatisiert wurden, sehr wohl „nebenher“ abwickeln können. Jeder kann laufen und sich gleichzeitig mit einer zweiten Person unterhalten. Doch je komplexer und neuartiger die Aufgaben sind, je mehr Aufmerksamkeit sie erfordern, umso anstrengender ist das Wechseln zwischen den Themen.

Probier doch mal diesen einfachen Test: Tippe einen unbekannten Text am PC von einer Vorlage ab und unterhalte dich gleichzeitig mit einer anderen Person im Raum über ein ganz anderes Thema. Das ist wahnsinnig schwierig. Du wirst langsamer tippen als gewohnt und du wirst dem Gespräch nicht die volle Aufmerksamkeit schenken.

Lass dich nicht auf Multitasking ein – rette kreative Arbeit.

Gerade Kreativarbeiter sind darauf angewiesen, den Fokus zu behalten! In fast allen anderen Tätigkeitsbereichen gibt es zumindest zwischenzeitlich einfache sensorische Tätigkeiten, die, wenn trainiert, souverän nebenbei bewältigt werden können. Als Kreativarbeiter möchtest du Neues erschaffen – das schließt bereits aus, dass die Tätigkeiten und Aufgaben trainiert und abgespult werden könnten. Du benötigst also Details, Zeit und den Fokus auf die eine Aufgabenstellung, um neue Wege zu erkennen, diese auszuprobieren und so passende kreative Lösungen zu schaffen.

Befrei dich vom Multitasking-Bullshit! DAS ist wirklich keine Fähigkeit, die in deinen Lebenslauf muss. Viel interessanter für Kreativarbeiter ist, wie konzentriert und fokussiert du arbeiten kannst.

 

 

[passend zum Thema: Besuch im Franklin-Institute Philadelphia; Bild der Wissenschaft]

Wie Farben dich und deine Kreativität unbewusst beeinflussen

Haben Farben Auswirkungen auf deine Kreativität?

Ja, sagen Juliet Zhu und Mavi Metha und ließen diese These bei einer Studie an der British Columbia Universität untersuchen. Das Ergebnis gab ihnen Recht. Farben steigern nachweislich das kreative Denken und unterstützen uns bei kreativen Aufgaben. Doch das gilt nicht für alle Farben. Besonders kalte Töne wie blau und grün konnten die Kreativität steigern und die Denkleistung verbessern. Rot verbesserte die Denkfähigkeit in Bereichen von Detailaufgaben wie Korrekturlesen oder Qualitätssicherung.

Kalte Farben für Kreativ-Prozesse

Aber wenn ich jetzt mein Büro neu streiche, welche Farbe ist dann besser? Blau oder grün? In einer weiteren Farbstudie von Lichtenfeld nimmt grün die Pole-Position vor blau ein.

Letztendlich liegt es aber am persönlichen Geschmack. Beide Farben geben dir einen Mindboost. Egal wie du dich entscheidest.

Farben sind starke visuelle Signale, die uns laufend beeinflussen

Farben nehmen zudem Einfluss auf deine Gefühle. Vielleicht siehst du manchmal rot oder ärgerst dich schwarz. Du weißt ja, dass sich eine positive Grundstimmung auch positiv auf deine Kreativität auswirkt. Deshalb  umgib dich mit Farben, die dir gut tun. Sei es mit Farbe an der Wand, mit Gegenständen oder entsprechendem Licht.

Zur Wirkung und Bedeutung von Farben findest du im Internet unterschiedlichste Tabellen. Besonders schön aufbereitet ist diese Infografik zur Psychologie der Farben auf nowsourcing.com.

Ganz so eng sollte man es mit den Farben allerdings auch nicht nehmen. Nur weil du in einem roten Büro sitzt, bist du nicht automatisch aggressiver. In einer gelben Umgebung hast du nicht permanent Heißhunger, obwohl das eine gute Begründung wäre, warum am Abend die Schreibtisch-Schokolade immer weg ist. 😉 Letztlich ist die Farbe einer von vielen weichen Faktoren, die dein Mindset beeinflussen.

Flexibilität sticht den Dauerbeschuss durch Farben

In der genannten Studie wurden die Probanden nur kurz und unmittelbar vorher mit der Farbe konfrontiert.

Ein grünes Büro wäre aber dauerhaft vorhanden.An eine dauerhaft vorhandene Umgebung gewöhnen wir uns. Der Effekt wird also abstumpfen.

Vielleicht kann man sich das ähnlich vorstellen wie mit Gerüchen. Wenn du gerade die Küche betrittst, nimmst du sofort jeden Geruch intensiv war. Nach ein paar Minuten verschwindet die Wahrnehmung für bestehende Gerüche.

Für eine Stimulation ist also die Flexibilität der Umgebung entscheidend: Unterschiedliche Räume mit unterschiedlichen Farben, flexibler Einrichtung und Beleuchtung. So kannst du dir in jedem Fall eine gute Atmosphäre schaffen, egal welche Farbe du gerade „brauchst“.

Wetten dass?! Dein Schreibtisch verschlechtert deine Kreativ-Leistung

Wow, jeder zweite deutsche arbeitet am Schreibtisch. Hättet ihr das gedacht? Das Arbeiten hat sich in den letzten 100 Jahren komplett verändert. Berufliche Tätigkeiten haben immer weniger mit Action und Bewegung zu tun. Heutzutage nimmt man doch bequem im Schreibtischstuhl platz.

Klingt gut. Bequem und entspannend. Das mag sich vielleicht auch erst mal so anfühlen, doch der Mensch ist nicht zum Sitzen gemacht. Weiterlesen

Der Grund, warum du Killerphrasen in Meetings erkennen musst und wie du sie bekämpfst.

Damit du kreativ arbeiten kannst, ist es wichtig Kreativitätskiller rechtzeitig zu entlarven. Besonders nervig sind Killerphrasen in Besprechungen, Workshops oder einfach beim lockeren Ideenaustausch.

Sie nerven, wühlen dich emotional auf und führen zu Diskussionen zur falschen Zeit am falschen Ort – also vernichte sie! Du erkennst Killerphrasen an Verallgemeinerungen wie „immer“, „nie“ oder „ständig“ und starken Verneinungen wie „ausgeschlossen“ und, in Kreativmeetings besonders schön, „undenkbar“.

Wie reagierst du auf Killerphrasen? Weiterlesen

„Stand-Up“ so einfach verbesserst du deine Meetings

Welche Situation in einem Kreativ-Meeting möchtest du unter allen Umständen vermeiden? Diese vielleicht: Montag morgen. Erste Besprechung. Nachdem die Aufgabenstellung formuliert ist, kommt das Team nicht so richtig in Schwung. Zaghafte Wortmeldungen. Die Teilnehmer vergraben sich in ihren Stühlen. Die Qualität der Beiträge ist bodenlos, wenn überhaupt Beiträge kommen. Irgendwie fließt es nicht. Nein, es klemmt richtig.

Mit einer kleinen Veränderung kannst du sofort für mehr Schwung sorgen:  Weiterlesen

Der Heimspieleffekt: Mehr Erfolg im eigenen Wohnzimmer.

Warum sollte eine Mannschaft in Heimspielen erfolgreicher sein als in Auswärtsspielen? Fußballplätze sind genormt! Ein Strafraum ist immer gleich groß. Der Platz ist gerade. Das Tor steht überall am gleichen Platz. Und ist der Gegner nicht auch genau der gleiche, egal ob ich daheim oder auswärts spiele? Da kann ich mich noch so auf den Kopf stellen, die spielentscheidenden Parameter sind überall gleich!

Und trotzdem: Wenn in Deutschland jemand, meist freudig erregt, aufschreit „Hey, das ist ja ein Heimspiel für uns!“, weiß jeder, was gemeint ist: Hier liegt der Erfolg auf der Hand – wir sind der Herr im Haus und werden das Ding rocken!

Gehen wir der Sache auf den Grund: Sind Heimspiele wirklich erfolgreicher?

Lassen wir doch einfach mal knallharte Zahlen sprechen und richten den Blick auf den Sport. Dort, wo die Metapher des „Heimspiels“ ihren Ursprung hat. Und in Deutschland gibt es sowieso nichts anders als Fußball, oder? Also:

In der Fußball-Bundesliga ist es tatsächlich so, dass Heimspiele in jeder Saison erfolgreicher sind als Auswärtsspiele. Und das deutlich.

Ergebnisverteilung in der Bundesligasaison 2014/15:

47.4 %

Heimsiege

26.8 %

Unentschieden

25.8%

Auswärtssiege

Woran liegt das? Und lässt sich der Heimspiel-Effekt auf andere Bereiche übertragen. Können zum Beispiel gewohnte Büroräume den Erfolg unserer Arbeit oder in Meetings erhöhen?

Besonderheiten der Spielstätte zum Vorteil nutzen

Der Platz an sich ist genormt, aber natürlich gibt es Ausnahmen. Die Nationalmannschaft von Bolivien ist zum Beispiel extrem Heimstark. Kein Wunder – das Stadion liegt auf 3.600 Meter Höhe! Die Gegner sind auf diese Höhe einfach nicht eingestellt, da geht deren Leistungsvermögen schonmal durch den Fußboden.

Die klimatischen Bedingungen werden zur WM 2022 in Katar eine Rolle spielen. Deshalb soll das Turnier (nach aktuellem Stand) im Winter, statt wie üblich im Sommer, stattfinden.

Revierverhalten führt zur Leistungssteigerung

In der deutschen Bundesliga spielen jedoch weder Lage noch Klima am Spielort eine großartige Rolle. Hier ist dann interessant, was der britische Psychologe Nick Neave herausgefunden hat. Demnach springt bei den Fußballern in Heimspielen ein typisches Revierverhalten an. Der Körper stößt vermehrt Testosteron aus und sorgt so für eine erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit und, im Sport nicht unwichtig, verbessert das räumliche Vorstellungsvermögen.

Hier ist dein Arbeitsplatz – er ist modern. Und jetzt schaff was!

Revierverhalten soll also der Bonus der Heimmannschaft sein? Das hat zwangsläufig auch viel mit Identifikation zu tun. Ist der Platz, an dem wir arbeiten „müssen“, also zwangsläufig unser Revier, nur weil dort unser Name am Tor steht und die Post geliefert wird?

Der TSV 1860 München war lange Jahre im Grünwalder Stadion zuhause. Es war die Kultstädte der „Löwen“ und würde es nach den Fans gehen, würden die 60’er auch heute noch dort auflaufen. Wie es der moderne Fußball aber so will, war das Stadion irgendwann nicht mehr gut genug. Da man bei den 60’ern aber finanziell noch nie auf Rosen gebettet war, beging man einen vielleicht folgenschweren Fehler. Gemeinsam mit dem Stadtrivalen Bayern München baute man 2005 die Allianz-Arena in der fortan sowohl die Bayern als auch die 60’er ihre Heimspiele austrugen.

Während im Grünwalder Stadion 61% der Heimspiele gewonnen wurden, sind es in der Allianz-Arena nur noch 42%. Das ist gravierend und führt zwangsläufig in den Tabellenkeller der zweiten Liga. (Stand 05/2015)

Hier ist dein Arbeitsplatz – er spiegelt unsere Identität wieder. Werde teil dieser Magie!

Die Fans identifizieren sich nicht mit der Allianz Arena. Und die Spieler? Kann man das Stadion, in dem der Stadtrivale und gleichzeitig der erfolgreichste Verein Deutschlands spielt, wirklich als das Revier der 60’er begreifen?

Die Idee zum Nestbau und somit zum Manifestieren der eigenen Identität am Arbeitsplatz hat der FC Schalke 04 auf die Spitze getrieben. Der „Malocher-Club“, historisch bekannt von den „Euro-Fightern“, sieht sich gerne als Kämpfernatur, als bodenständiger Arbeiterverein. Darüber kann man streiten, ist aber das gepflegte Selbstverständnis. Und das wird seit 2014 jedem Spieler und vor allem auch der Gastmannschaft direkt beim Einlaufen ins Stadion mehr als deutlich. Der Spielertunnel wurde kurzer Hand in einen Bergwerkstollen verwandelt. Offensichtlich beeindruckend!


Die Heimstärke war für die Schalker in der abgelaufenen Saison (14/15) ein echter Faustpfand. Während Zuhause eine gute Statistik zu Buche steht (10 Siege – 5 Remis – 2 Niederlagen), konnten Auswärts kaum Punkte eingefahren werden (3 Siege – 4 Remis – 10 Niederlagen). Ohne die Heimsiege hätten sich die Schalker getrost von der Euro-League verabschieden können.

Mach deinen Arbeitsplatz zu deinem Revier und verlass es dann!

Für Arbeitgeber heißt das also, Identifikation mit dem Arbeitsplatz zu ermöglichen. Dabei spielt die Gestaltung und Flexibiltät des Arbeitsplatzes eine entscheidende Rolle. Denn im eigenen Revier arbeitet man einfach viel lieber. Und die Kunst liegt darin, einerseits die Identität des Unternehmens weiterzugeben und gleichzeitig genug Raum und Flexibilität für die Individualität des Arbeitnehmers zu lassen.

Fußballspiele haben ja immer etwas von Kampf – 1:1, es gibt Sieger und Verlierer. Eine Situation, die den Arbeitsalltag nur in wenigen Berufen wiederspiegelt. Als Verkäufer z.B. ist jedes Verkaufsgespräch ein Qualifikationsspiel. In anderen Berufen ist der Alltag, das Liniengeschäft eher mit dem Training vergleichbar. Um das Training zu pushen, wird oftmals genau gegenläufig gehandelt. Trainingslager werden in einer anderen, neuen Umgebung veranstaltet. Es ist ein Ritual vor einer neuen Saison (= neues Projekt oder neues Geschäftsjahr im Unternehmen) das gewohnte Arbeitsumfeld zu verlassen. Zusätzlich greifen Trainer vor wichtigen Spielen oder Saisonphasen zu einem Kurztrainingslager. Oftmals ritualisiert an Orten, die positiv verankert sind.

Revierverhalten im Business – bewusst einsetzen.

Die entscheidenden Spiele aber trägt man doch am liebsten zu Hause aus. Das ist auch im Business oft in wichtigen Verhandlungen, Besprechungen oder Workshops zu beobachten. Wer kennt sie nicht, die Szenen aus den großen Hollywood-Streifen, wenn der Verhandlungspartner zu fünft anrückt und man kurzerhand noch zwei Praktikanten mit in die Besprechung nimmt, um dann eben zu sechst anzutreten? Klares Revierverhalten!

Und tritt man nicht in den eigenen vier Wänden viel forscher und selbstsicherer auf als in der Fremde? Logisch, hier genießen wir schließlich Heimrecht.

„Morgen muss ich zum Chef!“, ist eine Aussage, in der immer Respekt und Demut mitschwingen, handelt es sich dabei doch um ein klares Auswärtsspiel. Wenn sich der Chef jedoch auch mal am Arbeitsplatz blicken lässt und nach dem Erfolg sieht, wird das eher als Zeichen der Wertschätzung interpretiert als der regelmäßige Quartalsbericht im Chefbüro. Auch wenn die Gespräche dem gleichen Ziel dienen.

Der Heimspieleffekt lässt sich also auch im Business gezielt einsetzen. Und ebenso missbrauchen, dessen sollten sich insbesondere Führungskräfte bewusst sein. Wenn es um wichtige Verhandlungen, vielleicht sogar mit externen Dienstleistern oder Partnern, geht oder um Workshops, in denen man besonders glänzen möchte, schadet es aber sicher nicht, einen Veranstaltungsort in den eigenen vier Wänden zu wählen und die Veranstaltung zu einem Heimspiel zu machen.

Die kindliche Kreativität wecken – eine Frage der Umgebung?

Kindliche Kreativität

Kindliche Kreativität – das ist weit weg, lange vorbei, nicht mehr zu erreichen, oder? Einfach nochmal unbefangen die Welt entdecken. Fragen stellen, die in den Ohren der Erwachsenen „naiv“ klingen. Alles, was wir gerne wären und hätten, einfach durchspielen und Superheld werden. Es ist egal, ob das alles wirklich funktioniert oder ob es die Dinge in unseren Spielen auch wirklich gibt – wir machen es einfach!

Alles Kindergarten! Schluss damit.

Für Kinder tun wir alles, damit sie diese Kreativität leben können. Wir bauen aus Verpackungen Häuser und Höhlen. Wir gehen auf den Spielplatz und bauen Baumhäuser. Uns geht das Herz auf, wenn wir Kindern beim Spielen zusehen. Ist das Sehnsucht? Je älter wir werden, umso mehr verbieten wir uns selbst die Fantasie. „Das ist doch alles Kindergarten hier!“ Und dieser Satz ist nie, wirklich niemals, positiv gemeint.

Aber warum eigentlich? Ein Kindergarten ist fantastisch, er ist exakt für die Bedürfnisse der Kinder gebaut. Es gibt Spielecken, Basteltische, Stuhlkreise, Sportplätze, Leseecken, Schlafsäle und überall wird genau das gefördert und ermöglicht, was das Kind gerade machen möchte.

Wir arbeiten doch nicht in Disney-Land!

Natürlich werden im Laufe unseres Lebens andere Dinge wichtig und ernst. Nicht zu vergleichen mit der sorgenfreien Kindheit: Wir wollen nicht mehr als Ritter die Prinzessin erobern, stattdessen geht es um die ernste Sache eine Familie zu gründen. So schnell durch den Garten laufen bis wir unsichtbar werden – wie kindisch. Wir haben echte Probleme und müssen als Ingenieur das Energieproblem lösen. Wir bauen nicht mehr aus Bauklötzen den höchsten Turm der Welt, wir bauen als Designer seriöse Webseiten für Geschäftskunden – und die kennen keinen Spaß.

Deshalb setzen wir uns an seriöse Arbeitsplätze und in seriöse Meeting-Räume. Und wir tragen seriöse Kleidung, egal ob wir uns darin gerade wohl fühlen oder nicht.

Wir verlernen unangepasst zu denken.

Schon mit dem Übertritt an die Schule geht es los. Im Laufe unserer Schulkarriere werden Klassenzimmer immer trister und funktionaler. Immer mehr Fakten, immer weniger Spieltrieb. Ken Robinson zitiert 2008 in seiner Rede eine Studie die das unangepasste Denken untersucht. Das ist nicht das gleiche wie Kreativität, aber ein wichtiger Faktor dafür. Diese Studie zeigt, dass wir diese Fähigkeit im Laufe der Kindheit und Jugend immer weiter abbauen. Von 98% Genie-Faktor auf 2%.

Spiegelt also die veränderte Arbeitsumgebung eine grundsätzliche Denkweise wieder? Es wird erwartet, dass wir performen, dass wir uns sachlich und logisch verhalten und die Rolle des Erwachsenen ausfüllen. Dazu gehört es, dass wir uns um „Wahrheiten“ und nicht um Spinnereien kümmern. Mit der „passenden“ Umgebung wird uns das mehr als deutlich gemacht.

Warum verbieten wir uns eine kreative Arbeitsumgebung?

Warum geben wir uns so viel Mühe, der ganzen Welt zu zeigen, dass der Job kein Spaß ist? Dass die sorgenfreie Kindheit hinter uns liegt. Und insbesondere – dass das hier doch kein Kindergarten ist?

Wie wäre es, wenn wir wieder Spielecken, Basteltische, Stuhlkreise, Sportplätze, Leseecken und Schlafsäle hätten? Wenn wir das Energieproblem einfach mal spielerisch lösen und uns dann erst darum kümmern, wie diese Lösung umgesetzt werden kann und was wir dafür brauchen? Wenn wir eine Umgebung schaffen, in der wir das berühmte „lebenslange Lernen“ auch wirklich umsetzen können.

Dann müssten wir wohl unseren Arbeitsplatz überdenken! Und wer weiß, vielleicht wären wir dann sogar gerne dort. Business wäre plötzlich Lifestyle, wir würden so gerne auf die Arbeit gehen wie früher in den Kindergarten und vielleicht könnten wir sogar nochmal kindliche Kreativität erleben.

Kreativitätskiller: Wer jetzt nicht meckert, wird auch nicht kreativ!

Immer am meckern und nörgeln. Immer negativ. Typisch deutsch. Jetzt suchen wir hier auch noch Kreativitätskiller. Es wäre doch viel interessanter, wie man kreativ wird, statt Kreativität zu zerstören. Klasse – alles falsch gemacht, oder?

„Wie ich kreativ werde? Boah, das kann ich so nicht sagen. Das ist ja eher so ein Gefühl.“ So oder so ähnlich klingt es, wenn ich mich mit anderen über kreatives Schaffen unterhalte. Sehr zäh solche Gespräche. „Wenn du nicht voran kommst, mach was anderes,“ hat mir mal ein kluger Kollege gesagt. Und so bin ich die Sache dann mal mit dem Mut der Verzweiflung („Jeder will kreativ sein, da muss doch jeder was zu sagen haben?“) ganz anders angegangen: „Hey sag mal – was nervt dich so richtig, wenn du eigentlich gerade kreativ arbeiten willst?“

„Naja, Unterbrechungen stören schon,“ und „Wenn ich zu viel nachdenke, dann komm ich irgendwie zu nichts.“ Der Anfang für einen Dialog ist gemacht. Und siehe da, nach einer kurzen Aufwärmphase kamen wir dann schnell auf komplexere Vorgänge und Kreativkiller. Plötzlich zog die Zeit ins Land, während wir über echte und falsche Kreativität, über Ideen und Motivation plauderten.

Tipp: Dieses Vorgehen lässt sich natürlich auch für andere Fälle anwenden. Die Kopfstandmethode ist eine schnelle Kreativtechnik, die jeder sofort anwenden kann, um Hürden im Kopf zu überwinden.

Und wenn wir dann in Fahrt sind und ein paar Killer kennen, dann drehen wir den Spieß eben einfach wieder um. Wenn Unterbrechungen deiner Kreativität schaden, wie geht es dir denn dann in ruhigen Ecken? Richtig im Flow? Klasse!

Weil wir Kreativität mit dir neu entdecken wollen, möchte ich dich einladen in dieses Gespräch einzusteigen. Ich freue mich auf deine Eindrücke und Antworten: Werde Explorer of creativity – was sind deine Kreativitätskiller?