Sketchnotes für Kreativarbeiter? – Interview mit Ines Schaffranek

Ich bin ständig damit beschäftigt irgendwo irgendetwas zu notieren. Mal interessantes Wissen aus Büchern oder inspirierende Gedanken aus einem Gespräch und dann wieder eine Idee die ich unbedingt festhalten möchte. Ein Thema das viele Kreativ- und Wissensarbeiter aus meinem Freundeskreis sehr gut kennen. Geht es dir auch so?

Jeder hat so sein eigenes Ablagesystem. Aber egal ob Analog oder Digital, wie notiert man eigentlich am nachhaltigsten? Wie können Notizen vielleicht sogar kreative Gedanken fördern oder unterstützen? Darüber haben wir uns mit Ines unterhalten. Ines hat sich nämlich auf SketchNotes spezialisiert und ist nebenbei auch noch ein recht kreativer Kopf.

Sie hat uns verraten warum SketchNotes funktionieren und ein paar Tipps ausgekramt wie du mit SketchNotes deine Notizen vereinfachst und deine tägliche Arbeit effizienter gestalten kannst. 

Hallo Ines, eigentlich kennt man dich aus der Online-Marketing-Szene. Du machst aber auch als Sketchnote-Queen ziemlichen Wirbel in den Social-Networks. Wie hat das eigentlich angefangen, mit dir und den SketchNotes und wie nutzt du die visuelle Sprache heute?

Während meiner Trainee-Zeit habe ich für das Portal seo-trainee.de regelmäßig Konferenzen besucht und anschließend Recaps geschrieben. Dabei habe ich gemerkt, wie unglaublich ineffektiv diese Mitschriften waren! Eher eine stenografische Aufzeichnung, von der ich im Anschluss weder was behalten noch besser begriffen hätte. Deshalb habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, bei der man Informationen dokumentieren kann, aber gleichzeitig Raum zum Mitdenken behält. Die Lösung waren Sketchnotes!

Neben Konferenzen fasse ich inzwischen auch Fachbücher auf diese Art zusammen, um mir die Inhalte besser merken zu können. Aber auch auf der Arbeit schreibe ich so z.B. Gespräche mit dem Team mit. Suche ich nach neuen Ideen für meinen Arbeitgeber geschenke24.de, nehme ich als erstes den Stift in die Hand.

Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ohne diese Methode zu arbeiten.

Ines Schaffranek

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Die Visualisierung unterstützt dich also bei der Suche nach neuen Ideen? Wie darf ich mir das vorstellen?

Wie eine Mindmap, nur dass ich anstelle von Schlüsselbegriffen mit einfachen Zeichnungen arbeite. Die helfen mir, Assoziationen zu wecken, die ich sonst womöglich übersehen hätte.

Aber selbst wenn man sich noch nicht zutraut, einfache Dinge zu zeichnen, sollte man zumindest mal probieren, den Stift auf der Suche nach Ideen über ein Stück Papier fahren zu lassen. Ähnlich wie bei einem Telefonat, bei dem man intuitiv mitkritzelt, können manche Menschen sich so besser auf die gegenwärtige Denkaufgabe konzentrieren.

Ideen Visualisieren

Warum sind Bilder besser für Notizen und Ideen geeignet als Schrift und Worte?  

Eigentlich ist es die Kombination aus Schrift und Bild, die viele Vorteile mit sich bringt. Grundsätzlich können wir uns Bilder aber besser merken als bloße Worte. Dieses Phänomen wird auch als picture superiority effect beschrieben.

Bei Sketchnotes verwendet man Wörter und Schrift, was für mich eine doppelte Verankerung im Hirn darstellt.

Neben der Merkbarkeit kann man seine Ideen auch viel besser und schneller den Kollegen erklären. Und man sieht oft Dinge, die einem ohne Bilder verborgen geblieben wären. Auch die Assoziationen sind anders und häufig kreativer, als wenn man sich nur auf Worte verlassen würde.

Und besonders wichtig: es macht einfach mehr Spaß!

Den Spaß merkt man dir auf jedenfall an. Deine SketchNote-Gallerie ist riesig und du schreibst jetzt sogar ein SketchNote-Buch. Ich würde mich freuen wenn du uns einen kleinen Einblick in deine eigene kreative Arbeit gibst. Sketch-Note-Bücher gibt es ja bereits. Wie gehst du vor, um deinem Werk eine besondere Note zu verpassen? Was hilft dir dabei um auf neue Ideen zu kommen?

Mir ist aufgefallen, dass die vorhandenen Bücher über Sketchnotes zwar aufführen, wie man einfach und schnell die wichtigsten Dinge zeichnen kann, danach wird der Leser aber allein gelassen. Dabei wird es da erst richtig spannend! Die besondere Note wird also sein aufzuzeigen, wie das visuelle Mitdenken und die Dokumentation in Echtzeit konkret aussehen kann.

Neue Ideen kommen zum Glück konstant rein, vor allem durch die Lektüre von anderen Büchern, Videos oder Gesprächen. Mein Arbeitszimmer sieht inzwischen schon aus wie bei jemanden, der einen Serienkiller jagt. Ein riesiges Stück Papier mit Notizen hängt an der Wand, dazu zahllose Zettel und Post-its, um all die Einfälle zwischendurch festzuhalten.

Der Appetit kommt beim Essen und die Ideen beim Arbeiten 😉 – Wie gehst du damit um, wenn Ideen doch mal ausbleiben? Hast du vielleicht sogar Kreativitätskiller für dich identifiziert?

Ich kann jetzt keinen konkreten Kreativitätskiller benennen. Aber wenn mir mal phasenweise überhaupt nichts einfällt, reagiere ich absichtlich entspannt. Durchatmen, Spaziergang durch den Wald machen, in eine gute Ausstellung gehen – das führt am ehesten dazu, dass ich wieder kreativ werden kann.

Wer es nicht so mit der Entspannung hat, kann sich spielerisch dazu zwingen, kreativ zu denken. Edward de Bono hat in seinen zahlreichen Büchern gute Tipps dafür geliefert!

Ich mache es aber häufig auch wie Dan Roam (”Draw to Win” oder “Auf einer Serviette erklärt”): denke ich über ein Problem nach, gebe ich dem Problem eine Form oder Gesicht. Das kann ein Kreis sein, ein Objekt, oder eine Person. Dann zeichne ich nach und nach alle beteiligten Personen oder Objekte auf, bis das Problem in seiner Gesamtheit greifbar und sichtbar ist.

Meistens habe ich schon zu diesem Zeitpunkt erste Lösungsansätze! Schneller geht es, wenn man einen fähigen Kollegen bzw. Kollegin an der Seite hat, die keine Angst vor dem Stift und kritischen Fragen hat.

Welche drei Tipps kannst du Kreativarbeitern mitgeben die in Ihrer Arbeit künftig die Vorteile von Visualisierungen nutzen möchten?

Ich würde mir als erstes das Buch “UZMO – Denken mit dem Stift” besorgen und durcharbeiten. Dann die nächste PowerPoint-Präsentation durch eigene Bilder ersetzen, um das Thema Visualisierung in die Firma zu bringen. Dann bleibt nur noch der Tipp, Visualisierungen im Alltag normal werden zu lassen!

Sketchnotes über Mut beim Bloggen

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