Multitasking verhindert Kreativität

Multitasking hat es zu großer Berühmtheit gebracht in den letzten Jahren. Jeder will immer schneller und effizienter werden – immer mehr in der gleichen Zeit erledigen. Aber das Streben nach möglichst viel Multitasking ist ein großer Irrtum, der es zu unfassbarem Ruhm gebracht hat. Mit Multitasking brauchst du länger und erledigst Aufgaben schlampiger! Und das gilt ganz besonders für kreative Köpfe und Wissensarbeiter. Warum das so ist, möchte ich dir gerne in diesem Artikel erklären.

Mythos Multitasking

Im letzten Jahr war ich in Philadelphia im Franklin-Institute „Museum of Science“. Dort gab es eine tolle Ausstellung rund um das menschliche Gehirn. Wenn du mal dort bist – unbedingt anschauen!  Die Ausstellungen dort sind mit viel Liebe fürs Detail plastisch aufgebaut. Kinder haben ihre wahre Freude daran. Die Infos waren super aufbereitet von Lernvorgängen über Spiegelneuronen bis zum Multitasking.

Demnach ist unser Gehirn eher so der Fokus-Typ. Spotlight an – alles außen herum wird ausgeblendet –  und dann ran ans Werk. In diesem Modus können wir uns richtig austoben. Sobald zwei Aufgaben „gleichzeitig“ erledigt werden, wird zwischen diesen einfach hin und her gewechselt. Gleichzeitig etwas zu tun oder an etwas zu denken geht gar nicht. Der Fokus geht verloren. Was das zur Folge hat, kann jeder logisch nachvollziehen: weniger Details, grobe unkonzentrierte Bearbeitung, standardisiertes Abarbeiten statt kreative Neuschöpfungen!

Wenn wir mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen, verwirren wir den Teil im Gehirn, der für die strukturierte Planung und Durchführung von Aufgaben zuständig ist. Wer glaubt Multitasking zu trainieren, der schadet in Wirklichkeit seiner Fähigkeit, konzentriert und fokussiert zu arbeiten.

einfachste sensorische Tätigkeiten

Der Volksmund sagt ja, Frauen wären besonders talentiert im Multitasking. Was vielleicht nett gemeint ist, ist eigentlich versteckter Sexismus.

Vorweg: Mir ist kein wissenschaftlicher Nachweis bekannt, dass die Gehirne von Frauen oder Männern im Multitasking-Aspekt irgendwie ausgeprägte Unterschiede aufweisen würden.

Die Behauptung stammt wohl aus der Zeit, in der Frauen „an den Herd gehörten“ und gleichzeitig gekocht und gebügelt haben, also trainierte Abläufe abspulen sollten. Es ist schön, dass sie dafür bewundert wurden, doch hätte der Mann einfach mal etwas mehr bügeln und kochen trainiert, wäre er dazu durchaus auch in der Lage. Und ist das nicht so ein bisschen wie im Job? Wenn wir eine Aufgabe nicht so gerne machen, dann loben wir einen Anderen dafür, wie gut dieser das alles kann. So viel schneller und besser als man selbst.  😉

Es ist nämlich so, dass wir Tätigkeiten, die trainiert oder gar automatisiert wurden, sehr wohl „nebenher“ abwickeln können. Jeder kann laufen und sich gleichzeitig mit einer zweiten Person unterhalten. Doch je komplexer und neuartiger die Aufgaben sind, je mehr Aufmerksamkeit sie erfordern, umso anstrengender ist das Wechseln zwischen den Themen.

Probier doch mal diesen einfachen Test: Tippe einen unbekannten Text am PC von einer Vorlage ab und unterhalte dich gleichzeitig mit einer anderen Person im Raum über ein ganz anderes Thema. Das ist wahnsinnig schwierig. Du wirst langsamer tippen als gewohnt und du wirst dem Gespräch nicht die volle Aufmerksamkeit schenken.

Lass dich nicht auf Multitasking ein – rette kreative Arbeit.

Gerade Kreativarbeiter sind darauf angewiesen, den Fokus zu behalten! In fast allen anderen Tätigkeitsbereichen gibt es zumindest zwischenzeitlich einfache sensorische Tätigkeiten, die, wenn trainiert, souverän nebenbei bewältigt werden können. Als Kreativarbeiter möchtest du Neues erschaffen – das schließt bereits aus, dass die Tätigkeiten und Aufgaben trainiert und abgespult werden könnten. Du benötigst also Details, Zeit und den Fokus auf die eine Aufgabenstellung, um neue Wege zu erkennen, diese auszuprobieren und so passende kreative Lösungen zu schaffen.

Befrei dich vom Multitasking-Bullshit! DAS ist wirklich keine Fähigkeit, die in deinen Lebenslauf muss. Viel interessanter für Kreativarbeiter ist, wie konzentriert und fokussiert du arbeiten kannst.

 

 

[passend zum Thema: Besuch im Franklin-Institute Philadelphia; Bild der Wissenschaft]

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